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Wissen · Schweiz

Begehungsprotokoll: Vorlage, Pflichtinhalte und die SIA-118-Frage.

Jede Woche stehen Bauherrenvertreter auf der Baustelle – und jede Woche entscheidet das Protokoll darüber, ob ein Mangel später belegbar ist. Hier ist der Leitfaden für die Schweiz: was ins Begehungsprotokoll gehört, wo der Unterschied zum Abnahmeprotokoll nach SIA 118 liegt, und eine kostenlose Vorlage zum Loslegen.

Kostenlose Word-Vorlage: Begehungsprotokoll (SIA-118-tauglich aufgebaut)

Kopfdaten · Teilnehmende · Feststellungs-Tabelle mit Gewerk, Foto, Schweregrad, Verantwortlichem und Frist · Pendenzen · Korrekturhinweis. Ohne E-Mail, ohne Registrierung.

⬇ Vorlage herunterladen (.docx)

Warum das Begehungsprotokoll das wichtigste Alltagsdokument ist

Das Begehungsprotokoll dokumentiert den Zustand des Bauwerks zu einem bestimmten Zeitpunkt: festgestellte Mängel, getroffene Entscheide, vereinbarte Pendenzen mit Verantwortlichen und Fristen. Es ist kein Vertragsdokument wie das Abnahmeprotokoll – aber es ist das Dokument, das im Streitfall zeigt, wer wann was gewusst und gesagt hat. Bei Nachträgen, Verzögerungen und Mängeldiskussionen ist die lückenlose Begehungs-Dokumentation regelmässig das entscheidende Beweismittel.

Checkliste: Das gehört in jedes Begehungsprotokoll

  1. Kopfdaten: Projekt/Objekt, fortlaufende Protokoll-Nummer, Datum und Uhrzeit, Ort/Bauteil, Art der Begehung (Rundgang, Mängelkontrolle, Koordination)
  2. Teilnehmende mit Rolle und Firma – zugleich der Verteiler; Anwesenheit (anwesend / entschuldigt / zur Kenntnis)
  3. Feststellungen als Tabelle: Nr., Ort/Raum, Gewerk, Beschreibung, Foto-Verweis, Schweregrad, Verantwortlicher, Frist, Status
  4. Fotos mit Verweis auf die Punkt-Nummer – 47 unsortierte Handy-Bilder sind kein Beleg
  5. Pendenzen und Entscheide als eigener Abschnitt, über Begehungen fortgeschrieben («Punkt 12.03 bleibt offen, bis er erledigt ist»)
  6. Nächster Termin und nächste Schritte
  7. Korrektur-/Freigabehinweis: «Korrekturen und Ergänzungen sind bis [Datum] an [Kontakt] zu melden.» Eine Genehmigungsfiktion («gilt als genehmigt, wenn…») nur verwenden, wenn die Vertragsgrundlage sie vorsieht
  8. Versandnachweis: Wann ging das Protokoll an wen? Damit beginnt jede Frist

Begehungsprotokoll ≠ Abnahmeprotokoll (SIA 118)

In der Schweiz ist die Abnahme nach SIA 118 ein formeller Akt: gemeinsame Prüfung des Werks, Abnahmeprotokoll mit Unterschriften, Beginn der Rüge- und Garantiefristen. Das laufende Begehungsprotokoll ersetzt diesen Akt nicht – es bereitet ihn vor: Wer während der Ausführung sauber dokumentiert, kommt mit einer belastbaren Mängelliste zur Abnahme statt mit Erinnerungen.

Begehungsprotokoll (laufend)Abnahmeprotokoll (SIA 118)
ZweckZustand, Mängel, Pendenzen, Entscheide im Verlauf dokumentierenFormelle Prüfung und Übernahme des Werks
FormFrei; bewährt ist die Tabellenform mit Verteiler und KorrekturhinweisGemeinsame Prüfung, Protokoll, Unterschriften beider Parteien
WirkungBeweismittel; Grundlage für Pendenzenverfolgung und NachträgeFristbeginn (Rügefrist/Garantie), Gefahrenübergang, Fälligkeiten gemäss Vertrag
Ohne SIA 118 (nur OR)Gleich wichtig – erst recht: Nach OR gilt eine strenge, sofortige Prüf- und Rügepflicht nach Ablieferung; verdeckte Mängel sind sofort nach Entdeckung zu rügenKein formelles Abnahmeverfahren vorgeschrieben – umso mehr zählt die Dokumentation

Kein Rechtsrat: Massgeblich sind Ihr Werkvertrag (OR oder SIA 118 als Vertragsbestandteil) und der Einzelfall. Für Deutschland gelten andere Regeln (VOB/B, BGB) – dieser Leitfaden behandelt die Schweiz.

Die drei häufigsten Fehler in der Praxis

Oder Sie diktieren es einfach

BauRundgang macht aus dem Rundgang das Protokoll: Sie reden und fotografieren, die KI erstellt den strukturierten, bebilderten Entwurf – jede Feststellung mit Quellenverweis auf die Audio-Stelle, den Marker und die Fotos. Sie prüfen, bestätigen und senden das PDF an den Verteiler. Gespeichert in der Schweiz, Audio nach der Verarbeitung gelöscht.

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Kurz gefragt

Ist ein Begehungsprotokoll rechtlich bindend?

Es ist in erster Linie ein Beweismittel und Führungsinstrument. Verbindlichkeit entsteht durch den Vertrag (z. B. vereinbarte Protokollregeln), durch Zustellung mit Korrekturfrist und durch das Verhalten der Parteien. Formelle Wirkungen wie der Fristbeginn der Garantie knüpfen an die Abnahme an, nicht an die laufende Begehung.

Reicht die Vorlage – oder brauche ich Software?

Für einzelne Begehungen reicht die Word-Vorlage völlig. Software lohnt sich, sobald Fotos zugeordnet, Pendenzen über Begehungen fortgeschrieben und Protokolle regelmässig erstellt werden – also genau dort, wo das Abtippen anfängt, Stunden zu kosten.

Was ist mit der Genehmigungsfiktion («gilt als genehmigt»)?

Nur einsetzen, wenn sie organisatorisch vorgesehen ist und die Vertragsgrundlage geprüft wurde – und nur mit sauberem Versandnachweis. Der sichere Standard ist ein Korrekturhinweis mit Frist und Kontakt.